Ortsnamen in fünf Sprachen

 

gumbine

Kreis Gumbinnen

galdape

Kreis Goldap

litauisch stalupenai

Kreis Stallupönen

VierteljahreshefteTitel

Gemieindeverzeichnis besetzte Gebiete

 

Die Ortsnamenliste auf Seite 2  ist noch nicht vollständig. Sie ist sortiert nach den historischen deutschen/ preußischen Ortsnamen vor dem ersten Weltkrieg, die zum Beispiel für die Volkszählungen maßgeblich waren. Die wenigen Orte, die sich bereits vor 1938 umbenannten, sind in der Liste mit dem Jahr der Umbenennung in Klammern gekennzeichnet.
Fast der gesamte Bereich der Eisenbahnlinie Gumbinnen–Szittkehmen liegt im ehemaligen Preußisch Litauen, dem zwischen 1470 und 1550 mehrheitlich erstmals von Litauern besiedelten Bereich Ostpreußens. Deshalb gibt es hier auch für die meisten Orte litauische Ortsnamen. Siehe unten besonders das Beispiel Szittkehmen.
Diese litauischen Namen bedürfen in der Liste der Vervollständigung; deshalb in der linken Spalte auch die drei Karten mit den litauischen Namen. Heute gehört diese Region fast vollständig zur russischen Enklave Oblast Kaliningrad.

Südlich von Goldap (Marggrabowa, Treuburg, Angerburg) handelt es sich sehr häufig um ins Deutsche transkribierte polnische Ortsnamen. Masurisch ist ein polnischer Dialekt mit deutschen Lehnworten. “Prosit” liebgewonnene Zungenbrecher. Die heutige Grenzziehung zwischen Polen und Rußland war lange umstritten; raumgreifendes polnisches Interesse an ganz Ostpreußen dokumentiert eine Karte von 1946.
Im Oblast Kaliningrad sind viele Dörfer (z.B. Groß Schackummen) der Wüstung anheim gefallen. Das trifft auch auf einzelne Orte in Polen (z.B. Gollubien) zu:
Im Text vermeide ich meistens die Namen, die die Orte, Seen, Flüsse und Fluren zwischen 1938 und 1945 verdeutscht (er)tragen mussten. Ich erwähne die für tausend Jahre gedachten Umbenennungen in Klammern, wenn sie hier und da dem Leser hilfreich sein könnten. Der “wissenschaftliche” Begriff der Verdeutschung findet sich schon weit vor der Umbenennungsaktion vom 16.7.1938.

 

 

Siegfried Lenz hat diese Ereignisse auf seine unnachahmliche Art in dem Roman “Heimatmuseum” beschrieben.
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KOSSERT schreibt dazu in den Vierteljahresheften für Zeitgeschichte (link li. Spalte):
Doch erst mit dem Befehl des NSDAP-Gauleiters und Oberpräsidenten Erich Koch vom August 1937 begann die systematische und endgültige Umbenennungsaktion. Für ihre Vorbereitung setzte das Preußische Ministerium für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung eine Expertenkommission unter Leitung von Ministerialrat Harmjanz zur „Verdeutschung fremdsprachiger Ortsnamen in Ostpreußen” ein.
Der ostpreußischen Kommission gehörten der Slawist Meyer (Königsberg), der Germanist Ziesemer (Königsberg), der Lektor Falkenhayn (Kenner der litauischen und preußischen Bezeichnungen) sowie Max Hein, Direktor des Königsberger Staatsarchivs, als „Kenner der dokumentarisch festzustellenden historischen Bezeichnungen aus der Ordenszeit” an. Historiker, Baltisten, Germanisten und Slawisten wirkten an der Umbenennung mit.

Am 16. Juli 1938 fand die Aktion in Ostpreußen ihren Abschluß. In Masuren waren – je nach Landkreis – bis zu 70 Prozent aller historischen Ortsnamen von der Maßnahme betroffen, die auch vor jahrhundertelang gültigen Bezeichnungen nicht Halt machte.
Bedauerlicherweise wurden diese Umbenennungen nach dem zweiten Weltkriege in der Bundesrepublik weiter benutzt (Lastenausgleich, Vertriebenenverbände). Formal lautet der Begriff “die zuletzt gültigen amtlichen Namen”. Verwaltungsrechtlich sind die Namen in Kraft.
Der Stichtag der “gültigen” Benennung ist historisch nicht uninteressant. Es ist laut amtlichem Gemeindeverzeichnis der Deutschen Ostgebiete unter Fremder Verwaltung der 1.9.1939. Also nach der Besetzung von Österreich, Sudeten, Memelgebiet und Annexion der “Rest-Tschechei”!
ZIPPLIES benutzt noch 1983 den 31.12.1937 als Stichtag. 3 geteilt? Niemals!

Zunehmend mehr Publikationen, allen voran das Bildarchiv Ostpreußen, benutzen inzwischen die richtigen — vorletzten gültigen — Namen und verhelfen diesen so zu ihrem Recht.

In den Ortskennungen der genealogischen Datenbank GOV verstecken sich immer noch diese Namen:
WEHHENKO14II steht für Szittkehmen (Wehrkirchen).
Nun bedeutet, um die Abwegigkeit  der ganzen Geschichte zu veranschaulichen,
Szittkehmen–Schittkehmen–Żytkiejmy
— aus litausch Žydkiemis abgeleitet —
“Judendorf”.
Liebe Forscher, das wäre 1938 mal eine WISSENschaftlich gut begründete
Übertragung ins Deutsche gewesen. Ob die Bewohner von Żytkiejmy das wissen??

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